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	<title>Kaalokagathie &#187; geschrieben</title>
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		<title>Doch noch ein wenig Jahresrückblick</title>
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		<pubDate>Thu, 31 Dec 2009 18:01:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kaal</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wie ich heute morgen feststellte, hat sich Österreich bereits auf das Unwort des Jahres 2009 geeinigt und es lautet Analogkäse. Dieses Produkt, das sich in erster Linie auf Tiefkühlkost findet, besitzt nämlich keine Milch- sondern eine Pflanzenölbasis, kennt Almkühe also bestenfalls von den Verpackungen im Nachbarregal und dürfe somit unter keinen Umständen auch nur in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie ich heute morgen feststellte, hat sich Österreich bereits auf das Unwort des Jahres 2009 geeinigt und es lautet <em>Analogkäse</em>. Dieses Produkt, das sich in erster Linie auf Tiefkühlkost findet, besitzt nämlich keine Milch- sondern eine Pflanzenölbasis, kennt Almkühe also bestenfalls von den Verpackungen im Nachbarregal und dürfe somit unter keinen Umständen auch nur in die Nähe eines Naturprodukts gerückt werden. Nun ließe sich natürlich einwenden, dass Analogkäse aufgrund seiner Konsistenz keineswegs gesundheitsschädlich ist, und ja wohl auch niemand seine Wohnungsbesucher ungefragt davor warnt, dass der dargebotenen Sessel nur einen Kunstlederbezug hat, aber wo die Kapitalismuskritik am Werke ist sollte die Linguistik sich lieber zurückhalten, am Ende müssten sonst noch die Hälfte aller jemals verliehenen Literaturpreise zurückgegeben werden und damit wäre schließlich auch niemandem gedient.<br />
<span id="more-575"></span><br />
Statt also Analogkäse vom Unwortsiegel zu befreien, möchte ich es lieber direkt als Jugendwort des nächsten Jahres nominieren. Ich stelle mir die Geburt ungefähr so vor: Samstag Nacht in einem beliebigen Mittelstandsvororthobbykeller. Auf dem Teppich schlängeln sich LAN-Kabel voller illegaler Bits an Kartoffelchipsresten vorbei in diverse PCs, deren Bildschirme auf T-Shirts mit Aufschriften wie &#8220;Scheine kann man wiederholen, Partys nicht&#8221; und &#8220;iRule&#8221; strahlen. So gegen fünf Uhr, weiter oben wird es allmählich hell, surft einer der Übernächtigten aus Langeweile die Netzwerkrubrik von Spiegel Online an. Der oberste Artikel informiert ihn über ein neues Gesetz, das die Bits in den Kabeln noch etwas illegaler macht. Darunter klären ihn 15 Kommentare über die Möglichkeiten auf, dieses Gesetz zu umgehen. Kopfschüttelnd über die Politiker, die in ihrer Unkenntnis des Internets diesen Beschluss in höchsten Tönen als wichtigen Schritt nach vorne feiern, murmelt er daraufhin in sein Teamspeak: &#8220;Die geben wieder einen Analogkäse von sich&#8221;, und ein paar Foreneinträge später ist Analogkäse der Inbegriff des kollektiven Naserümpfens der digital Nativen über die digitalen Naivlinge.</p>
<p>Natürlich entbehrt bereits das Ausgangsszenario heutzutage jeglicher Massenrealität, qualifiziert sich aber gerade deshalb als ernstzunehmender Kandidat bei einer Jury, die <em>Gammelfleischparty</em> für Jugendslang und <em>notleidende Banken</em> für ein Wort hält. Sollen sie ruhig mal machen. Wer eine Zeit für <em>post</em>modern hält, in der Windows kein Produkt sondern eine Schlüsselqualifikation ist, dem sehe ich solchen Analogkäse gönnerhaft nach.</p>
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		<title>Erkältet</title>
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		<pubDate>Wed, 21 Oct 2009 16:03:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kaal</dc:creator>
				<category><![CDATA[geschrieben]]></category>

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		<description><![CDATA[Seit knapp drei Wochen nervt mich eine Erkältung, was nicht nur unerhört, sondern, autobiographisch betrachtet, auch ungehört ist. In den letzten zehn Jahren hatte ich gegen alle tröpfchenübertragenen Infekte ein sicheres Mittel. Sobald meine Schleimhäute zur Überproduktion neigten und ich statt der Nase den Mund zur Sicherstellung der Sauerstoffversorgung nutzen musste, buchte ich meinem Intellekt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Seit knapp drei Wochen nervt mich eine Erkältung, was nicht nur unerhört, sondern, autobiographisch betrachtet, auch ungehört ist. In den letzten zehn Jahren hatte ich gegen alle tröpfchenübertragenen Infekte ein sicheres Mittel. Sobald meine Schleimhäute zur Überproduktion neigten und ich statt der Nase den Mund zur Sicherstellung der Sauerstoffversorgung nutzen musste, buchte ich meinem Intellekt einen Last-Minute Urlaub nach Übersee und verzog mich mit einem Seitenblätterer (nicht unter 600 Einheiten), einer Kanne voller Kräutertee und Kleehonig, tonnenweise Taschentüchern und allen gerade verfügbaren Fernbedienungen für einige Abende unter die dicke Decke. Gründe aufzustehen gab es dann nur noch zwei: Die Toilette und die Schokolade, die ich wegen des mediterranen Raumklimas im Kühlschrank zwischenlagerte. Für beides sind in anderen Jahrhunderten zwar ebenfalls Lösungen vorhanden, jedoch ist keine davon sonderlich sexy.<br />
So finde ich die Entscheidung der modernen Menschheit, ihre Bettpfanne aus dem frisch gekitteten und deswegen endlich dichten Fenster im hohen Bogen auf die Pflastersteine darunter zu werfen absolut richtig, weil hygienisch. Völlig falsch hingegen fände ich es, den Schmelzpunkt der Kakaobohne bereits jetzt hochzuzüchten, wo die Genmanipulation doch allerhöchstens in Schuhen der Größe 30 steckt.</p>
<p>So verbringe ich diese Zeiten also als Grossstadteremit mit Völlen, späterem Entleeren und ständigem Lesen. Das einzig anspruchsvolle an diesen Abenden ist die gelegentliche Postkarte, auf denen mir mein Intellekt von seinen Reisen an die Kulturstädten dieser Welt berichtet. Glücklicherweise beschränkt auch bei ihm dieses Nachrichtenformat den Erlebnisbericht auf Oberflächliches, “War heute hier und da, bin morgen woanders und sitz gerade auf der Terrasse und warte aufs Abendessen. Wünschte du wärst auch hier. Grüße und bis bald”. Zwei, drei Tage geht das normalerweise so, und am Ende kletter ich über einen Berg aus verklebten Papiertüchern und bin wieder fit.</p>
<p>Bisherige Erkältungen waren wie Literaturstudentinnen, die ständig von einem Leben in Indien träumen, ihre Reisen dahin aber nach drei Wochen jedes mal abbrechen weil das alles irgendwie doch nicht so richtig klappen wollte. Je mehr Aufmerksamkeit man ihnen schenkte, desto schneller war man sie endgültig los.</p>
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		<title>Schweizauftakt</title>
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		<pubDate>Thu, 10 Sep 2009 11:20:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kaal</dc:creator>
				<category><![CDATA[geschrieben]]></category>

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		<description><![CDATA[Letzten Donnerstag also landete ich dank einer dichten Wolkendecke mit der Anmut eines schlecht gefalteten Papierfliegers auf dem Berner Rollfeld, bereit für sieben Tage helvetischer Erlebnisse. In dieser Woche sah ich mehr Schokolade, als ich in meinem Leben essen kann und genug Grappa, um sie hinunterzuspülen. Ich war auf dem ersten Berner Poetry-Slam und stand [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://kaalokagathie.de/wp-content/uploads/2009/09/IMG_6571" rel="lightbox"><img src="http://kaalokagathie.de/wp-content/uploads/2009/09/IMG_6571-150x150.jpg" alt="IMG_6571" title="IMG_6571" width="150" height="150" class="aligncenter size-thumbnail wp-image-467" /></a></p>
<p>Letzten Donnerstag also landete ich dank einer dichten Wolkendecke mit der Anmut eines schlecht gefalteten Papierfliegers auf dem Berner Rollfeld, bereit für sieben Tage helvetischer Erlebnisse. In dieser Woche sah ich mehr Schokolade, als ich in meinem Leben essen kann und genug Grappa, um sie hinunterzuspülen. Ich war auf dem ersten Berner Poetry-Slam und stand vor der van Gogh Ausstellung in Basel. Ich habe Muskelkater vom Berghinabsteigen und eine Frühsommererkältung, weil ich den gefühlten Temperaturanstieg am Lago Maggiore überschätzte. Ich bilde mir jetzt ein, Schweizer Dialekte unterscheiden zu können, wenn auch nur in solche die ich ein wenig verstehe und solche, die ich gar nicht verstehe. Ich bekam einen lackierten Zehennagel in Zürich und eine ebenso rot gefärbte Nase im Tessin. Ich war auf ein Schweizer Fondue eingeladen, dessen internationale Besetzung den geschmolzenen Käse in den Keramiktöpfen des Genfer UNOGs vor Neid erblassen lassen dürfte. Ausserdem kenne ich die Strafe für ein verlorene Brotstücke (zum Glück beinhaltet sie keine Ketten und die nähere Erkundung des Aarer Flussbettes). Mir wurde schwarz auf weiß attestiert, selbst für Schweizer Verhältnisse langweilig zu sein (ihre Worte nicht meine) und ich entdeckte eine neue Form der Langsamkeit. Ich widerlegte die Behauptung amerikanischer Filme, laut der Tabakkonsum direkt proportional zur Verruchtheit eines Charakters ist und merkte dabei wieder einmal, warum die kriminelle Laufbahn meine nicht ist. Sprich, ich habe eine Menge Notizen und Bilder gesammelt, um diesem Blog in den nächsten Tagen eine gehörige Herz-Rhythmus-Massage zu verpassen.</p>
<p>Vor allem aber erfuhr ich die Gastfreundschaft zweier Schweizer Bloggerinnen, namentlich der Damen <a href="http://www.chliitierchnuebler.ch/blog/">Chliitierchnübler</a> und <a href="http://diediva.com/">DiVa</a>, die das Wort so groß schreiben, dass eine adäquate Wiedergabe hier aufgrund der Beschränkungen des W3C-Konsortiums für html-Tags leider nicht möglich ist. Ich kann nur jedem Leser raten, mit vollem Einsatz um die Gunst der Damen zu buhlen, sollte er einen Urlaub in der Schweiz auch nur annähernd in Erwägung ziehen.</p>
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		<title>Die schuhgewordene Stillosigkeit</title>
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		<pubDate>Tue, 11 Aug 2009 21:42:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kaal</dc:creator>
				<category><![CDATA[geschrieben]]></category>

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		<description><![CDATA[Je näher der der Firmenlauf rückte, desto weiter entfernte ich mich von der Ziellinie. Ich trainierte zwar treu den Trim-dich-Pfad weiter, aber mein Knie klopfte ein ums andere mal und mit der Beharrlichkeit eines Vorwerkvertreters an meine Rezeptoren. Ich versuchte den Schmerz zu ignorieren, aber daraufhin griff es sich ein paar Nervensträngen und peitsche auf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Je näher der der Firmenlauf rückte, desto weiter entfernte ich mich von der Ziellinie. Ich trainierte zwar treu den Trim-dich-Pfad weiter, aber mein Knie klopfte ein ums andere mal und mit der Beharrlichkeit eines <a href="http://www.frauvonwelt.com/?p=818">Vorwerkvertreters</a> an meine Rezeptoren. Ich versuchte den Schmerz zu ignorieren, aber daraufhin griff es sich ein paar Nervensträngen und peitsche auf meine Großhirnrinde ein bis ich schließlich doch nachgab und den restlichen roten Kiesweg wieder zum Auto zurück schlenderte. Ich war es leid.</p>
<p>Tags darauf also machte ich mich  nach der Arbeit zu einem der großen Sportgeschäfte auf und fuhr mit der Rolltreppe in die Joggingabteilung. An die ganze Wand hingen kleine Plexiglasbretter auf denen je ein einzelner Schuhe stand. Kauf einen Schuh und schon bald kannst du wiederkommen und auf den leere Sims deinen Pokal stellen, oder so ähnlich.<span id="more-414"></span><br />
Schnell hatte ich einen Verkäufer an der Seite, so um die Vierzig und mit leichtem Bauchansatz unter dem T-Shirt, aber das machte nichts, die smaragdgrünen Streifen an den Turnschuhen die er trug funkelten dermaßen sportlich, dass sie selbst seinen tiefen Geheimratsecken aerodynamische Gründe verliehen. Ich schilderte ihm meine Lage. Er unterbrach mich selten, stellte nur für einige Präzisionsfragen &#8211; auf welchem Untergrund ich denn laufe, und wie oft ich mir das denn antue und warum überhaupt. Dazwischen tippte er sich mit dem Zeigefinger ans Kinn, dessen Nagel er kürzlich abgknipst, aber nicht gefeilt hatte.</p>
<p>“Also wir machen jetzt mal folgendes”, sagte er schließlich, und ich frage mich noch immer wie er das schaffte, normalerweise stößt mir dieses pädagogische <em>wir</em> fürchterlich auf. Bei seiner Stimmlage aber hatte es die Wirkung einer Badewanne voll warmen Wasser, in die ich mich entspannt zurücklegte. “Ziehen Sie mal Ihre Schuhe da aus und auch die Socken, und krempeln Sie die beiden Hosenbeine hoch.” Ich setzte mich auf einen der mit weißem Stoff bezogenen Hocker und tat wie geheissen. Das Resultat wirkte äußerst dämlich an mir.</p>
<p>“So und jetzt kommen Sie mal mit,” sagte der Verkäufer.<br />
“Gehen wir jetzt rüber in die Angelabteilung”, fragte ich, aber mein Humor fruchtete nicht, ich erntete nur drei Wimpernschläge lang betretenes Schweigen von ihm.</p>
<p>Er führte mich an ein Laufband auf dem ich bei graduell steigendem Tempo in der nächsten Minute noch mein restliches Selbstwertgefühl verlor. Anschließend zeigte er mir auf einen Bildschirm meinen nackten Füße beim Laufen, Fleisch auf Schwarz und in Grossaufnahme.<br />
“Also der Rechte,” erklärte er mir und verlangsamte den Bildfluss, “da läuft alles ganz wunderbar. Beim linken Fuss allerdings, da sehen Sie, hier, der knickt nach innen ab, unter dem Knöchel sobald Sie ihn aufsetzen.”<br />
“Hm.”<br />
“Daher kommen die Probleme in ihrem Knie. Beim Laufen wird es da ständig falsch beansprucht und nach einer Weile stellt sich eben der Schmerz ein. Was sie da haben, ist Pronation.”<br />
“Obwohl ich den Dienst an der Waffe verweigert habe?” Aber es war sinnlos.<br />
“Also das da ist nichts dramatisches, zum Orthopäden muss ich Sie da nicht schicken, mit dem richtigen Schuh bekommen wir das sicherlich hin. Gehen Sie schon mal zurück, ich bin dann gleich wieder bei Ihnen.”<br />
Er schaltete den Bildschirm aus. Ich ging zu meinen Schuhen zurück und kruschte die Socken heraus. Ich stellte fest, dass mich diese Diagnose nicht sonderlich störte, auch wenn ich sonst nicht so bin, als ich seinerzeit das erste mal im Bad vor dem Spiegel stand und mein frisch gebrochenes Schüsselbein begutachtete, dessen Knick sich deutlich unter der Haut abzeichnete, fand ich mich gleich darauf mit Schweißausbrüchen auf dem Toilettendeckel sitzend wieder. Als ich mich soweit gefangen hatte, schaltete ich erst mal das Licht aus, um jeden möglichen Blickkontakt beim Zähneputzen zu vermeiden. Meine Reaktion auf diese genetische Volkskrankheit war es hingegen, mir meine Socken wieder anzuziehen.<br />
Der Verkäufer kam wieder zu mir rüber.<br />
“Hier, probieren sie die mal an, und dann schauen wir noch mal.”<br />
Schon beim ersten Blick auf das anmutende Paar Hässlichkeit in dem Karton wußte ich, ich würde es kaufen. Vor mir offenbarte sich die schuhgewordene Stillosigkeit. Klobig war gar kein Ausdruck für diese eckenlosen Quader die auch farblich von Stonehenge inspiriert schien. Hier war zweifelsfrei ein funktionaler Maschinenbauerverstand am Entwickeln gewesen und kein Marketingdesigner mit dem Hintergedanken, sneakervernarrte Kids könnten die Dinger scharenweise aus den Läden stehlen und dadurch zum Modeobjekt der kaufkräftigen Masse machen.<br />
Ich absolvierte eine weitere Runde auf dem Laufband und betrachtete anschließend mit einem lächelnden Verkäufer neben mir die harmonische Symmetrie meiner Füsse auf Video. Ohne zu zögern zückte ich meine EC-Karte.</p>
<p>Noch am selben Abend war ich wieder auf dem Trim-Dich-Pfad. Das Knie meckerte noch etwas, aber der Unterschied war enorm. Ich unterbot meine bisherige Steckenzeit um satte zehn Minuten. Wenn ich meine Zeit weiter so reduzieren könnte, dachte bei mir auf der Heimfahrt, würde ich am Ende für die Strecke ja vielleicht gar keine mehr benötigen.</p>
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		<title>Träume, Triebe, Trash</title>
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		<pubDate>Mon, 27 Jul 2009 22:00:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kaal</dc:creator>
				<category><![CDATA[geschrieben]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Letztens also war ich auf einer Bloglesung in München. Kam natürlich später als auf dem Plakat gefordert, was aber nichts machte, da die Uhr des Grand Maître des Lectures wie immer nach Greenwich Time lief. Ich verpasste nur die freien Sitzplätze in dem Laden, dessen Klimaanlage müde anröchelte gegen die schwüle Luft der Stadt, so [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Letztens also war ich auf einer Bloglesung in München. Kam natürlich später als auf dem Plakat gefordert, was aber nichts machte, da die Uhr des Grand Maître des Lectures wie immer nach Greenwich Time lief. Ich verpasste nur die freien Sitzplätze in dem Laden, dessen Klimaanlage müde anröchelte gegen die schwüle Luft der Stadt, so heiß und feucht als litt die Isar jetzt selbst an Blähungen wegen der Kolibakterien im Wasser.<br />
Weiter hinten erspähte ich zumindest einen Fenstersims, gut einen halben Meter tief, und so saß ich dann doch noch mit guten Blick auf die Bühne. Allein konzeptionell war es ja schon spannend, <em>multimedial</em> nämlich. Das Lesepult war an der Seite aufgebaut, und in der Mitte hing eine dieser public-viewing Leinwände, wie sie seit der WM so verbreitet sind. Links am Rand befand sich noch dazu ein DJ-Pult, direkt unter der Tafel, die kreideweiß auf blau das Bier des Monats und freies WLAN mit dem Passwort <em>Zensursula</em> verkündete.<br />
<a href="http://www.gefuehlskonserve.de/">Deef</a>, der das alles so weit ich weiß organisierte, las auch als Erster. Der DJ füllte dazu den Raum mit elektronischer und basslastiger Musik (eigentlich ja weniger mein Fall) und die Leinwand mit einem visuellen Cocktail von Filmszenen, Nachrichtenbildern und Youtube, die rehe-auf-landstrassengleich nur kurz im Blickfeld verharrten und direkt wieder verschwanden und noch bevor ich soweit war den großen Augen meines inneren Kindes die Kritikerbrille vorzuhalten war er auch schon fertig. Der Applaus zumindest zeigte mir, dass ich nicht der Einzige war, den das recht beeindruckte.</p>
<p><img class="aligncenter size-medium wp-image-365" src="http://kaalokagathie.de/wp-content/uploads/2009/07/ttt-300x200.jpg" alt="Foto: Deef (cc)" width="300" height="200" /></p>
<p style="text-align: center;">Foto: <a href="http://www.gefuehlskonserve.de" target="_blank">Deef (cc)</a></p>
<p><span id="more-339"></span><br />
Als nächster folgt <a href="http://dadaniac.blogspot.com/">dani L.</a> mit einem Wortblumenstrauß aus Stilblüten, die sein Kunststudentenblick auf den durchzechten Nächten und beim Einkaufen entdeckt und mit einer Art ektoplasmischen Seemannsgarn zusammengebunden hat und dann <a href="http://selbstdarstellungssucht.de/">Violett von Rosenweiß</a>, und was soll ich sagen, gäb es sie auf Dauerbetrieb, könnten wir mindestens eins der Münchner Kernkraftwerke abschalten, so viel Energie rauschte bei ihrem Auftritt durch den Raum.<br />
Die Pause, hier ausnahmsweise mal viel zu kurz, reichte gerade so um kurz mit jedem der Dreien ein paar Worte zu wechseln, danach ging es dann schon weiter erst l<a href="http://www.gefuehlskonserve.de/traeume-triebe-trash-meet-the-team-12072009.html#more-3429">yrisch mit Tobias Heitzer und zum Abschluss noch poetry-slammig mit Felix Bonke</a>, und wenn ich hier nicht viel drüber berichten kann lag das sicher nicht an denen, sondern an dem vielen Bier, mit dem ich die Klimaanlage ersetzte, aber alles in allem eine tolle Veranstaltung und ich freu mich drauf, dass Deef das jetzt regelmäßiger steigen lassen will, und natürlich auch darüber, wieder ein paar benachbarte Blogger kennengelernt zu haben,&#8221; schließe ich meinen Bericht.</p>
<p>&#8220;Ich muss leider sagen, ich bin enttäuscht.&#8221; In der Stimme meines Psychiaters schwingt echte Betroffenheit mit. Knirschendes Leder verrät mir, dass er sich auf seinem Sessel bewegt. Vielleicht überschlägt er die cordbehangenen Beine oder er sucht den Kontakt zwischen seinem weißen Hemd und der Rückenlehne. Natürlich schaffe ich es nicht zu ihm hinüberzublicken sondern betrachte weiter die Decke über dem abgenutzten Sofa, auf dem ich liege. Klar, kalt und kalkhaltig präsentiert sie sich mir durch die  Luftlöcher meiner Vorgänger.<br />
&#8220;Wir waren uns doch einig diese virtuellen Bekanntschaften aus ihrem Leben zu streichen und uns statt dessen unter real existierende Personen zu begeben&#8221;, sagt er. Ich höre es leise kratzen. &#8220;Ich verschreibe Ihnen weiter Tofranil. Eine höhere Dosis.&#8221;</p>
<p>Draussen marschiert ein Wald vorbei. Eine Kastanie blickt neugierig durch das offene Fenster hinein. Aus ihrer Krone purzelt ein Vogelnest und als es auf den Linoleumboden schlägt, fällt ein Ei hinaus, dessen Schale mit der sanften Bewegung eines Sonnenuntergang einknickt. Heraus krabbelt ein Waschbär der eine grüne Filzweste trägt. Ausserdem eine halb leere Bierflasche. Ich vermute aus einem Kinderkrämerladen. &#8220;Also für das Zimmer zahl ich nichts,&#8221; sagte er während er sich letzte Eierschalenreste aus vom Kopf bürstet. Dann schlendert er gemächlich zur Tür die ins Wartezimmer führt, dreht sich aber kurz davor noch einmal um. &#8220;Das letzte sehenswerte Drama,&#8221; sagt er zu mir, &#8220;das war doch als das Wahre das Schöne besiegte und sich zum Richtigen krönte.&#8221; Darauf hin erstarrt er zu einem Papierkorb.</p>
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