Spaßgesellschaft (3)

“Ich brauche anständige Arbeit.”

“Das hier ist anständige Arbeit.”

“Wir stehlen gerade ein Auto ein.”

“Im Auftrag des Umweltministeriums.”

“Wo ich herkomme, ist das hier Stehlen.”

“Wo du herkommst, da war das Stehlen. Freu dich, dass du die Stelle hier als Bewährungsauflage bekommen hast.”

“Und wir nehmen es auch sicher keinem Unschuldigen weg?”

“Seid wann interessiert dich denn so was?”

“Es interessiert mich eben.”

“Na schön. Hier steht es. Amtliche Abgasblitzer haben der Karre die CO2-Werte eines ganzen Sommerstaus bescheinigt. Vier mal verwarnt. Ohne Reaktion. Soll der etwa weiter die Erderwärmung anheizen, bloß weil ihm sein Kumpel Plaketten ohne ordentliche Prüfung dranklebt?”

“Ich sag ja nur. So eine Bürostelle im Ministerium fänd ich nicht schlecht.”

“Der Schrotthaufen vor uns verdient es, als Fallbeispiel ins neue Umweltgesetzbuch einzugehen.”

“Ihr hattet da eine Kaffeemaschine, oder?”

“Wie oft soll ich mich noch entschuldigen, dass ich die Thermoskanne wieder mal auf dem Küchentisch vergessen hab.”

“Ich versteh ja. Du konntest jahrzehntelang einfach in die Büroküche gehen und hast immer Frischgebrühten gefunden. Da hört man natürlich auf, sich um Kaffee zu sorgen.”

“Und jetzt steh ich am Straßenrand neben einem angeblichen Profi, der nicht mal einen Golf aufbekommt der älter ist als er selber.”

“He, ich öffne dir jeden Oberklassewagen in unter drei Minuten. Elektrische Schlösser von hochwertiger Qualität, das kann ich. Nicht diese eingerosteten manuellen Dinger die jemand von seinem ersten Studentengehalt gekauft habt.”

“Veraltete Arbeitsmethoden weit unter dem eigenen Niveau. So ist nun mal die Behördenarbeit. In sechs Monaten kannst du dich ja wieder den Nobelschlitten widmen.”

“Nadja findet, ich soll mir lieber anständige Arbeit suchen.”

“Das hier ist anständige Arbeit.”

“Mit einem Bürostuhl und einen Computer.”

“Du hast auch die einzige Freundin, die sich einen langweiligeren Freund wünscht.”

“Bei Frauen ist das wie mit Autos. Als Krimineller knackst du jede blitzschnell. Aber Eine für auf Dauer, das geht nur wenn du die Rechnungen mit legalem Geld bezahlen kannst.”

“Die werden dich im Ministerium nie einstellen. Die nehmen keine Kriminellen. Auch keine Ex-Kriminellen.”

“Arbeitszeiten im Tageslicht. Das musst du vorweisen. Und Frischgebrühten aus der Büroküche.”

“Ist ja gut.”

“Du könntest doch ein gutes Wort einlegen, du kennst da doch Leute.”

“Nur solche die froh sind, dass ich in den Außendienst versetzt wurde. Die bekommen höchstens ne gute Meinung von dir wenn ich mich über dich beschwere.”

“Na mach doch das.”

“Dann fesseln die dich an meine Seite bis ich in Rente gehe.”

“Ich glaube ja, du willst dich an meine Seite fesseln bis du in Rente gehst. Deswegen willst du kein gutes Wort bei denen einlegen. Warum soll es auch mal jemand besser haben als du.”

“Wird das langsam mal was?”

“Ohne Kaffee zum dran Händewärmen hab ich inzwischen ganz taube Finger.”

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