Satzzeichen

June 11th, 2009 § 0

Hach freie Zeit, eine Fata Morgana, die nur aus der Ferne sichtbar bleibt, auch hier schaff ich jetzt gerade mal zwei Sätze, inzwischen führe ich sogar einen privaten Terminkalender, den ich letztens gründete um all die Hochzeits- Geburtstags- Einweihungs- und sonstige Einladungen der nächsten Wochen zu notieren, ein Outsorcing, auf das mein Hirn ja recht politisch reagierte, mich alt, verkommen und spießig nannte, denn sich das alles zu merken, das wäre ja wohl kein Problem wenn ich mich nur ausreichend bemühe, ehrlich, ich überlegte schon es für die Europawahl anzumelden, die war ja der richtige Platz für solche Scherze, erinnerte mich an die Technikkategorien bei den Oscars, so zwischen dem besten Nebendarsteller zum Auftakt und den wirklich prestigeträchtigen Kategorien, den Zeitpunkt also, wenn die Gäste mal eben aufs Klo oder für eine Zigarette verschwinden und eigens dafür angestellte Statisten ihre Plätze besetzen, am Sonntag hätte sogar das funktioniert, die Wahlhelfer, zwei Rentner in Karosakkos über den Rollkragenpullovern, dank denen der Wahlraum trotz des glänzenden Linoleumbodens verstaubt wirkte, winkten nur müde ab als ich neben der Wahlkarte meinen Ausweis vorzeigen wollte, waren wohl froh weil sich überhaupt jemand blicken ließ oder aber sie haben die selbe Einstellung wie die nach wie vor größte Säule in den Umfrageergebnissen der Meinungsforscher und Europa ist auch unter ihren grauen Haaren etwas unwichtiges weil zukünftiges, das geht sie eh nichts mehr an.

Überhaupt, Einstellung (entschuldigt die linguistische Streichholzbrücke, eine bessere finde ich gerade nicht), die jedenfalls stimmt zur Zeit, auch wenn ihr der angeblich so nötige Ernst völlig abgeht, fragt mich nicht was genau das ist, es läuft hier viel zu gut um es zu überdenken, und jaja, das Karma wird das Blatt schon wieder wenden und die Rechnung vorlegen (bitte mit barer Münze zahlen), aber es spricht ja auch nichts dagegen bis dahin selig vor mich zu lächeln, das Leben mal einfach so gut sein zu lassen und dabei die Stirn innerlich mit einer Sorgenfaltencreme zu pflegen, zusammengesetzt aus dem Glauben, dass es eben doch Altruisten gibt, die ein wenig Dreck an den Händen nicht scheuen, der Erkenntnis, dass auch die noch so alte Dramen allein durch etwas mehr Mut andererseits und etwas weniger Stolz meinerseits eine amüsante Fortsetzung hervorbringen und der Träumerei, wie zwei Lüneburger Heiden wohl auf die Neuigkeiten reagieren, der Neue ihrer Tochter stammt aus dem erzkatholischen Bayern.

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