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Erste Male

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Belly Off – Vorsätze

Ich bewerte meine Ernährung anhand einer Tabelle in einem Lifestylemagazin. Ein Prozess, vergleichbar mit Bouldern an der Kletterwand. Meine Schwächen werden ungemütlich greifbar; eine nach der anderen führen sie zu einer höheren Erkenntnis. Natürlich ist Erkenntnis als demütigende Misere zu verstehen. Etwas, das im Fitnessindisch wohl eine der drei Voraussetzungen für einen Zustand wäre, der Brahman heißt: Beispielsweise in einem Satz wie: “Das Express-Workout fürs perfekte Brahmanieren”. Mehr eine Einstellung, ein Punktesystem, ein Index, korrelierend mit der Quadratur meines BMIs.

Kohlenhydratereduktion. Kein Problem damit, Einkaufsketten zu meiden. Aber mein lokaler Bäcker? Dessen Geschäft bereits schlecht genug läuft? Darf ich seine Existenz gegen meine Kilos abwiegen?
Heidi betritt die Küche. Ihr Pyjama hängt formlos herab. Das verrät einen gewisse Souveränität; Kurven, gut genug geformt, um sie nicht betonen zu müssen. Sie riecht nach Bett und einem ausgeschweiften Bummel durch Pinterest.
“Wie war dein Lauftraining?”, fragt sie.
“Laufen langweilt mich.”
“Du könntest ab sofort mit mir laufen.”
“Dann langweile ich dich.”
“Deshalb willst du dich jetzt schlank grübeln?”
Ich zeige ihr meine Notizen.
“Ich habe es so weit kommen lassen, dass ich einen Trainingsprogramm brauche.”
“Mit Hilfe einer Zeitschrift für werdende Männer?”
“Vielleicht können wir beide voneinander lernen”, sage ich.

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Zweiter Beitrag des Projekts Belly off von MC Winkel

 

Weitere Teilnehmer sind:

– Dirk Olbertz
– Mathis
– ilovechaos
– Sebastian
– Dirk S.
– Vorstadtprinzessin
– Antje
– Mary Malloy
– Stefan
– Wasserstoff
– Lomomo
– Starkilla
– Uli
– Zeitzeugin
– Can
– Flyerzwomille
– Tyler
– Matzel
– Fairey
– Wannabehealthy
– Thomas
– Dr. Sheldon-Harper
– Rebecca
– Julia McRed
– San
– Steffi
– Nille
– Corinna
– hypesRus
– Corinna
– Michelle
– Chliitierchnübler
– Björn
– LennyUndKarl
– Marco
– Rachel

Belly Off 3

Heidi erschöpft mich. Sie kann es nicht wissen. Ich kann es sie nicht wissen lassen.

Ich fühle mich dick. Auch das ist neu. Mein Bauch steht vor. Nicht nur bei Heidi, bei Kollegen im Büro, bei der Pulliverkäuferin, bei der Bedienung im Restaurant, die fragt, ob es noch etwas sein darf. Das sind ungewohnte Erfahrungen. Ich vermute, ich werde alt. Ein erhöhter Fettanteil bei älteren Menschen ist ganz normal. Daher kommt mein Bauch. Albert widerspricht der Alterstheorie. Er glaubt nicht an Altern. Albert analysiert meinen Bauch als Manifestation meines gestörten Biofeldes; sobald ich meine Schwingungsquanten wieder in zellularen Einklang bringe, schwillt mein Bauch ab. Ich setze auf das Alter. Mir fällt an Kleinigkeiten auf, dass mein Bauch mich beschämt. Wenn ich mich anziehe, stecke ich mein T-Shirt nicht mehr in die Hose. Wenn ich den Gang im Großraumbüro entlang gehe, hebe ich meinen Brustkorb an. Wenn ich im Supermarkt stehe, ziehe ich Light-Produkte in Betracht. Ich kaufe sie nicht; noch gestehe ich nicht ein, dass ich ein Problem mit meinem altersbedingten Bauch habe.

toofat2

Heidi erschöpft mich. Sie muss bemerkt haben, dass die Lampen in meinem Schlafzimmer nur noch schummrig leuchten, wenn sie da ist. Ich bin sicher, sie hat es bemerkt. Aber ich sage nicht, dass sie mich erschöpft. Ich wage nicht, sie aufgeben, vermute ich.
Heidi muss das fehlende Licht in meinem Schlafzimmer als ein Anzeichen meines Dick-fühlens deuten. Ich bin sicher, dass sie so etwas ahnt. Doch auf was führt sie dieses Dick-fühlen zurück? Ich weiß es nicht.

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Erster Beitrag des Projekts Belly off von MC Winkel

Weitere Teilnehmer derzeit:

StijepanUliVorstadtprinzessinMarcoMokkaaugeMaikIlovechaosJanDirk OlbertzLomomoMathisPetraZeitzeuginWasserstoffFairyVolkerSebastian,
MatthiasStefanDerbyNilleCan-RnBMatzelWannabehealthyMoccaLennyUndKarlChliitierchnüblerTyler,
HermannMinaAntjeRebeccaPhilSchmengerOliverMichelleDr. Sheldon-HarperCaroFrau K.Julia McRedCarsten & Thomas / hypesRusMatzeRachelFlyerzwomilleGelruebStarkillaHuckiThomasSteffi,
BuckelhardMark OlanKlaeuiSanDentakuKai NehmMary MalloyUlliWebdesign KielStillerNicoleCorinna

Musa × paradisiaca (2)

Von diesem Wirtschaftsprüfer kam auch die Idee, sich einem Massenmarkt zu eröffnen. Nicht die Bananen, vielmehr die Bananenblätter, bisher im besten Fall ein Düngeprodukt, sollten dafür verkauft werden. Im Mund gekaut gaben sie einen bananigen Geschmack ab, zu dem sich noch dazu rasch ein wonniges Völlegefühl einstellte. Ein ökologischer Sattmacher. Ideal für eine ernährungsbewusste Mittelschicht.

Für die Vermarktung entschloss man sich, einen ausländischen Fernsehfilm drehen zu lassen. Ein vor allem aus Fitnessvideos bekannter Darsteller wurde angeheurt. Auf seinem Blog berichtete er täglich über die laufenden Dreharbeiten entdeckte nebenbei, und an allen Produkt Placement Guidelines vorbei, das Bananenblattkauen und dessen bohemische, zugleich aber völlig risikolose Assoziationen mit cocakauenden Bauern. Das Einzige, dass er auf seiner Internetseite bemängelte, waren die hohen Sicherheitsvorkehrungen auf der Insel, eine Maßnahme, um eine mögliche Kontaminierung der Bananen durch den Fusarium-Pilz zu verhindern, aber gut, es gab schlimmeres als ständig an einem Sandstrand zu drehen.

Das LOHA-Magazins La dolce Vital jedoch witterte eine Geschichte zu dem neuen Produkt, das inzwischen in ersten Fitness- und Yoga-Studios erhältlich war. Die Redaktion erhielt auf weitere Anfragen aber nur eine Hochglanzbroschüre inklusive Bestellformular. Sie veröffentlichte daraufhin einen Artikel voller Fragezeichen, in der es die nachhaltige Authentizität der Blätter in Frage stellte. Wusste überhaupt jemand, unter welchen Bedingungen diese ökologischen Produkte angebaut wurden? Wurden Pestizide verwendet? Welche? Wie stand es um die Arbeiter, über deren Arbeitsbedingungen ja auch überhaupt nichts zu erfahren war? Gab es Mindestlöhne? Höchstarbeitszeiten? Altersvorsorge? Welche Regierung würde den bitte aktiv werden, gegen ein Unternehmen das praktisch einhundert Prozent der Exporte stellte? Und war diese drohende Kontamination nicht eine wunderbare Ausrede, jede interessierte Öffentlichkeit von der Insel fern zu halten? Schmeckten diese Diätblätter nicht doch sehr streng nach, nun, Bananenrepublik?

Die Banenblätter implodierten. Immer mehr Läden zogen ihre Bestellungen zurück, verweigerten die Annahme von Lieferungen, oder rühmten sich sogar explizit in ihren Auslagen, Bananenblätter so wenig zu führen wie Analogkäse. Schlimmer noch, auch der Absatz der Paradiesbananen brach merklich ein. Selbst unabhängige Prüfunternehmen, die Nadiv später auf die Insel holte und die ihm stapelweise nachhaltige Produktionsweisen und -bedingungen zertifizierten, konnten die Paradiesbanane nicht mehr retten. Sie galt mehr und mehr als ein Finanzierungsmittel einer autoritären Wirtschaftsmacht, dessen diktatorische Spitze Nadiv war.

Nadivs Verschwinden blieben im Großen ungeklärt, weder das wie noch das wohin sind bekannt. Ebenso wenig ob er bereits vom Eintreffen des Fusarium-Pilzes wusste, der binnen drei Jahren die Paradiesbananenplantagen verödete.Spätere Untersuchungen ergaben, dass er zuletzt an der hiesigen Hafenbar gesehen worden war. “Zeit,” sagte er zum Barkeeper, “das Trockensein aufzugeben.”

Musa × paradisiaca (1)

Nadivs Pflegemutter war etwas verrückt, so wie ihre eigene Eltern, die eine KFZ-Werkstatt im Münchner Osten betrieben, in dessen Hinterzimmer auch Fahrzeugscheine ersetzt wurden. Nadivs Pflegemutter entschloss sich nach ihrem Lehramtsstudium zu einem sozialen Jahr. Sie unterrichte in der einzigen Schule einer Südseeinsel, in der Obstkisten als Stuhlprovisorium herhalten mussten. Ihr Aufenthalt musste jedoch aufgrund logistischer Probleme – ihre Medikamente blieben aus – bereits zu den Zwischenzeugnissen abgebrochen werden. Wie sie, in der vollen Blüte ihres erblich belasteten Zustands, den vierjährigen Waisen Nadiv an Bord der Propellermaschine und anschließend durch zwei Zölle schmuggelte, bleibt ihr Geheimnis. Jedoch schaffe es Nadiv Dank einer Geburtsurkunde aus dem großelterlichen Hinterzimmer durch die Schule und bis an die Universität, wo er eine breitgestreute Allgemeinbildung genoss. Seinen Kommilitonen zufolge wählte er seine Studienkurse mit Hilfe einer Formel, dessen Kern ein Quotient aus Anfangszeit des Unterrichts und der Durchfallquote bildete, aber allen Kritastikern zum Trotz erwies sich seine Fächerkombination aus Biologie, Japanologie und BWL als ideale Kletterausrüstung für seinen Aufstieg in die Liste der reichsten Männer der neunziger Jahre.

In den Semesterferien 92 heuerte er auf einem Transportschiff nach Japan an,  und dort auf einem Fischkutter zu seiner Heimatinsel.Auf diesem fielen ihm erstmals die Bananen auf, größere und auch wohlschmeckendere Bananen als die ihm bisher bekannten, und endlich ein Mittel, um seinen Magen oben wie unten zu verschließen, nachdem sein Verdauungssystem seit Beginn der Reise auf Durchzug geschaltet hatte. Eine Biologiedozentin, der er nach seiner Rückkehr eine der Bananen zeigte, vermutete, dass es sich dabei um ein Exemplar der Sorte Gros Michael handelte. Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts war diese Sorte noch weit verbreitet, bis ein verheerender Befall durch den Fusarium-Pilz die Bananenfelder von Dole und Chiquita praktisch über Nacht ausrottete und sie auf die heute verbreitete, kleinere Bananensorte umsteigen mussten. Die Gros Michael in seiner Hand hatte wohl nur durch die Abgeschiedenheit der Insel überlebt. Ein Saurier, in einer Welt voller Bananenechsen.

Nadiv überwand seine Aquaphobie ein weiteres Mal und war noch vor Semesterbeginn wieder auf der Insel. Er vermarktete die Bananen als Luxusfrucht in den asiatischen Staaten, zu einem Kilopreis, der selbst weißen Trüffel weiter erblassen ließ. Einmal etabliert, lief die Vermarktung seiner Paradiesbanane wie von selber. Er expandierte rasch nach Russland, dessen neuer Oberschicht ein wohlschmeckender Grund gerade recht kam, ihren neuen Reichtum aus dem Fenster zu schleudern. Über den Börsencrash und die Wirtschaftskriese Anfang des neuen Jahrtausends zuckte Nadiv nicht einmal mit den Schultern, auch deshalb, weil er da gerade eine Bananenkiste in den Privatjet eines arabischen Scheichs lud. Nadivs Geschäftsmodell war krisensicherer als eine Sargzimmerei. Verwaltet von einer eigenen Abteilung des größten Wirtschaftsprüfer weltweit.